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Der Portalsaum vibrierte erneut wie eine leuchtende Herzlinie. Dahinter begann kein Markt, sondern ein Gang aus schwarzem Glas. Überall schwebten feine Partikel — wie Sternenmehl mit guter Laune. „Riecht nach Zuckerwatte und Zuspruch“, murmelte Luna. „Und ein bisschen nach "ich will auch!“, flüsterte Zauberquant skeptisch.
In den Glaswänden erwachten Rahmen: keine Bilder, sondern Szenen von Lunas „glänzenderen“ Versionen. Jede Szene flüsterte: „Mit mir wirst du gesehen.“ Luna legte die Pfote an die Brust. Vier ein, sechs aus. „Ich sehe euch. Aber ich bleibe bei mir.“ Weiter vorn hingen Reihen kleiner Laternen. Jede blinkte hungrig und zog wie ein Mini-Applaus an Lunas Herz.
Die dünne Fäden der Laternen führten ins Dunkel — geliehenes Licht, irgendwo abgezapft. Zwischen den Laternen huschte eine feine Gestalt hin und her: die Gläserne Kuratorin. „Ich sortiere hier Glitzern und Wahrheit. Heute glitzert es… sehr.“ betonte sie. „Wir helfen“, bot Luna an.
„Wie bringt man Licht nach Hause?“ Die Kuratorin zeigte auf eine Lichtwaage: links Wert, rechts Preis. Der Zeiger kippte nervös zur Preisseite. Da raschelte es hinter einem Rahmen.
Ein kleines Wesen mit Schuppenschimmer kniete dort, die Arme um einen Eimer, aus dem Applaus tropfte, ohne satt zu machen: der Schimmerling Baron Funkelzart. Seine Augen glänzten und waren doch müde. „Ich sammle Lichter, damit ich genug bin“, piepste er. Luna setzte sich zu ihm. „Vielleicht bist du schon genug — und dein Eimer hat nur ein Loch.“
Der Schimmerling blinzelte. Luna kramte in ihrer Reisetasche und holte ein Möhrchen heraus — das gute, von früher, „knack-knack“, Lieblingssorte hab ich von meiner Erdenfreundin SissiLuma. „Willst du probieren?“ Er nickte vorsichtig. Luna brach die Möhre in zwei Hälften. Knack. Das Geräusch war so echt, dass selbst der Glitzer in der Luft kurz innehielt, als hätte jemand die Wirklichkeit lauter gestellt.
„Wie schmeckt Wirklich?“ fragte Zauberquant. „Nach Möhrchen“, sagte der Schimmerling mit vollem Mund. „Und nach… Genug.“ Luna legte die zweite Hälfte neben ihn. „Zuwendung sättigt. Glitzer macht nur ganz kurz hell.“
Baron Funkelzart atmete. „Kann ich helfen?“ „Oh ja“, lächelte Luna. „Zeig uns bitte, wem diese Laternen gehören.“ Sie hob die erste Laterne. „Wem fehlst du?“ Die Flamme zitterte, drehte sich — und Baron Funkelzart zeigte in eine ferne Nische: ein kleines Wesen, das fror.
Luna pustete warm, nicht stark. Die Laterne flog zu diesem kleinen Wesen - heim. Der Zeiger der Waage wippte einen Hauch zur Wert-Seite. Sie arbeiteten gemeinsam weiter: Laterne für Laterne, Pusten für Pusten.
Zwischendurch versuchte eine Schein-Krone Eindruck zu machen. „Setz mich auf! Du wirst wichtig in Rekordzeit!“ Luna schüttelte den Kopf. „Ich hab Fell. Und Zeit.“ „Langweilig!“ fauchte die Krone und zerfloss wie Zucker im Regen. „Süß, aber nicht nahrhaft“, grinste Zauberquant und tippte zwinkernd auf Lunas Möhrchenrest. Für einen Herzschlag flackerte Lunas Körper: Das Fell wurde durchscheinend, darunter zeichnete sich eine menschliche Silhouette ab — Hände, die halten können, ohne zu greifen. Pling. Dann wieder Pfote. Fell. Luna. „Gesehen“, glomm Zauberquant. "Es ist ein Vielleicht, kein Muss.“
Mit jeder heimgebrachten Laterne wurde es nicht dunkler, sondern ehrlicher. Die Rahmen zeigten keine Super-Luna mehr, sondern kleine Wahrheiten: eine Pfote, die Platz macht; ein Blick, der sagt: „Ich sehe dich — und nicht dein Glitzern wollen.“ „Und die Waage?“ fragte der Schimmerling. „Sie liebt Möhrchen-Momente“, meinte Zauberquant.
Luna lachte, brach ein winziges Stück vom Möhrchen ab und legte es — symbolisch, nicht als Trick — an den Rand der Wert-Schale.
„Zur Erinnerung an Nahrung statt unendlicher Nervosität.“ Der Zeiger beruhigte sich, als hätte er endlich etwas Verständliches gegessen. Ganz hinten flackerte wieder dieses Wort ins Blau: S E R E N Y A — und war gleich wieder halb weg, als wollte es nicht angeben. In einem vergessenen Glasrahmen blitzte nun eine Szene auf: ein fensterloser Raum, weiß wie verschlucktes Papier. Auf dem Boden: ein Junge, still, als hielte er Funken fest, damit sie niemand sieht. Das Bild atmete — da, nicht da — wie eine Wahrheit, die Mut sammelt. „Hast du—“ „—gesehen“, nickte Zauberquant. „Unser Weg führt scheinbar dorthin.“
Luna sah zum Baron Funkelzart. „Magst du hier bei der Kuratorin weiterhelfen? Echte Lichter heimbringen und wichtige Möhrchenpausen einführen?“ Er strahlte. „Ich kann helfen-ja!“ „Perfekt“, sagte Luna.
Am Ende des Gangs öffnete sich ein Türspalt — kein Spektakel, eher ein verständiges Zuzwinkern. Luft strich hindurch, die nach Desinfektionsmittel und Minze roch.
Lunas Fell flackerte noch einmal fast durchsichtig; die Menschenform blitzte kurz auf, Hände wie Ruhe, Schultern wie „Ich bleibe“. „Wenn ich einmal Mensch werde — nur kurz oder länger — bin ich dann noch ich?“ „Form ist Kleidung“, sagte Zauberquant. „Du bist, wer sie trägt.“ „Gut“, sagte Luna. „Heute trage ich Fell und ein Möhrchen.“
Sie steckte den letzten Möhrchenkrümel dem lieben Schimmerling zu. „Für Notfälle.“ „Was sind Notfälle?“ „Das sind Momente ohne Genug. Lächelnd verabschiedete sie sich von dem lieb gewonnenen Schimmerling Baron Funkelzart.“
Luna atmete vier ein, sechs aus und trat durch den Spalt, der nach Serenya roch — dorthin, wo ein Junge saß, dessen Funken einen wahren Freund brauchten. Luna ahnte schon etwas.
„Leuchten ist, wenn etwas von innen kommt. Alles andere ist Deko."⭐ Zurück zur Sternenkarte
– Zauberquant, leuchtendflüsternd