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Zauberquant®

Stories

Luna – Mein Zuhause auf der Erde

Valoorie

10 Die Brücke der Stille

Der Abgrund sah aus wie ein verschluckter Himmel. Nebel hing darin, der nach Regen roch, und irgendwo ganz weit unten gluckerte ein Fluss, der nicht wusste, ob er hinauf- oder hinunterfließen wollte. Am Rand stand Luna und blinzelte. „Und wo ist die Brücke?“, fragte sie. „Da, wo du sie nicht suchst, sondern bist“, flüsterte Zauberquant. Sein blaues Leuchten machte einen freundlichen Punkt in der Luft. „Super hilfreich“, murmelte Luna und grinste. „Soll ich noch einen Tee kochen?“ „Nur, wenn es stiller Tee ist“, kicherte Zauberquant.

„Frag mal dein Herz, wie es klingt.“ Luna legte die Pfote an die Brust. „Wie eine große Trommel mit ein paar Kuchenkrümeln drauf“, sagte sie. „Oh.“ sagte Zauberquant überrascht.

„Genau in diesem Moment wuselten sie aus den Büschen: Krachlinge. Kleine, wuselige Wesen mit Trötennasen, Topfdeckel-Schilden und Stimmen, die wie verirrte Wecker klangen. „Eilmeldung!“ „Wichtig! Wichtig! Vielleicht! Eventuell!“ „Ping. Ping. Ping!“ Einer zog an Lunas Ohr: „Du musst jetzt sofort entscheiden, ob du niemals wieder… äh… irgendwas!“ „Ein anderer rief: „Guck mal! Ein blinkender Stein! Schau-hiiiiiier!“ – und schwenkte eine Lampe, die nach Aufmerksamkeit roch.

„Luna versuchte, sich durchzulächeln. „Hallo, ihr Süßen. Wir brauchen gleich eine Brücke, okay?“ Die Krachlinge nickten eifrig, trommelten lauter und warfen Konfetti aus Gedankenfetzen in die Luft. „Wenn du sie wegschiebst, werden sie größer“, flüsterte Zauberquant. „Wenn du sie weghörst, werden sie müde.“ „Also nicht kämpfen?“ „Nicht kämpfen. Sondern sortieren.“

„Luna setzte sich hin. Sie warf sich nicht ins Drama, sondern ins Gras. Sie schloss die Augen halb, und jedes Mal, wenn ein Krachling piepste, antwortete sie innerlich: Ich hab’s gehört. Dann atmete sie vier Herzschläge lang ein, sechs Herzschläge lang aus. „Eins, zwei, drei, vier… aus… zwei, drei, vier, fünf, sechs.“

„Ein winziger Krachling mit zu großem Helm blieb direkt vor ihrer Nase stehen. Seine Augen zitterten wie zwei kleine Tropfen. „Wenn du nicht sofort… dann… dann…“ „Luna beugte sich zu ihm. „Bist du gerade mehr Angst als Info?“ Der Krachling nickte. „Du darfst gern neben mir sitzen und mal trief durchatmen. Du musst nichts beweisen.“ „Er setzte sich, stellte seine Tröte ab – und das Geräusch, das aus ihr kam, wechselte von ALARMALARM auf pfffff. Ein beruhigtes Ausatmen.

„Du bist unverschämt sanft“, staunte Zauberquant. „Ich kann ja auch nicht schneller atmen als mein Herz“, sagte Luna schmunzelnd. „Nach und nach ließen die Krachlinge ihre Requisiten fallen: Töpfe, Tröten, blinkende Dinge. Sie schoben sie Luna zu, damit sie „aufpasst“.

„Luna legte die Sachen in eine Reihe – nicht „weg“, sondern geordnet: Das Nervige zu den Nerven, das Wichtige zu den Wichten, das Lustige in die Mitte (lachen ist gesund). „Die Geräusche wurden leiser, als hätten sie gemerkt, dass jemand zuhört, ohne mitzuschreien.

„Zauberquant?“, flüsterte Luna. „Ja?“ „Ist Stille die Abwesenheit von Geräuschen?“ „Nein. Stille ist die Abwesenheit von Dagegen.“ „Luna nickte. Sie öffnete die Augen – und da war es: ein feines Schimmern, kaum breiter als ein Pfotenabdruck, das von ihrem Brustbein aus in den Nebel wuchs.

„Keine fertige Brücke, eher ein Faden aus Licht. „Siehst du?“, sagte Zauberquant. „Ich seh’s zwar nicht, aber ich weiß es" antwortete Luna. Sie stand auf. „Der erste Schritt lag unter ihr, sobald sie ihn setzte. Pling – eine Lichtplanke wuchs unter der Pfote. „Der zweite folgte erst, als sie wieder vier ein, sechs aus atmete. Als ihr Blick kurz zu den Krachlingen huschte – plopp! – war die nächste Planke weg. Sie stoppte, lächelte, kehrte zu ihrem Atem, also ihrer Konzentration, zurück. „Und die Planke war wieder da, als wäre sie nie verschwunden. „Funktioniert die Brücke nur, wenn du ruhig bleibst?“, fragte Zauberquant. „Mhm. Sie baut sich in dem Tempo, in dem ich nicht hetze.“ Ein Krachling rannte neben dem Abgrund her und hielt ein Schild hoch: „Schnell-Fokus in 3 Sekunden! Nur heute!“ Luna winkte freundlich. „Danke, ich hab Langsam-Fokus in echt.“ „Wie langweilig!“, rief der Krachling – und gähnte. Dann setzte er sich zu den anderen und begann, auf einem Grashalm zu pfeifen. Es klang… hübsch.

„Auf halber Strecke stockte Luna. In der Tiefe gluckerte der Fluss, oben krähte eine unerzogene Wolke. Ein Rest Eile piekste sie. "Autsch" - Ich will drüben sein“, dachte sie. Die Brücke flackerte. „Sagt dein Herz gerade: drüben?“, fragte Zauberquant. „Ja.“ „Sag’s ihm mal anders.“ Luna legte die Pfote wieder an die Brust. „Herz, wir sind hier. Hier ist genug.“ Flackern weg. Planke da. „Warum klappt das?“, fragte sie leise. „Weil die Welt von deinem Inneren abliest“, sagte Zauberquant. „Nicht umgekehrt.“ Sie ging erstaunt weiter. Schritt für Schritt. Atemzug für Atemzug. Mit einem Lächeln.

„Die Krachlinge am Ufer wurden stiller und stiller, bis sie aussahen wie kleine Pssstlinge mit zu großen Helmen. Einer hob die Hand. „Viel Glück!“ „Danke“, rief Luna. „Und danke fürs Üben. Ohne euch hätte ich Stille nur im Wörterbuch gefunden.“

„Demut steht dir“, flüsterte Zauberquant Luna ins Ohr. „Ich weiß nur, dass ich nichts weiß, wenn ich laut bin“, schmunzelte sie.

„Am gegenüberliegenden Rand endete die Brücke in einem kleinen, runden Platz, der wie eine Schale aus Licht war. „In der Mitte lag ein Portalsiegel – nicht prunkvoll, eher bescheiden. Darauf stand: „Ruhiges Herz = tragfähiger Weg.“ Luna hob es auf. „Es war schwerer, als es aussah, wie ein Wort, das man wirklich sagt und nicht nur so tut.

„Zauberquant?“, fragte sie, während die Brücke langsam im Nebel verschwand. „Ja, Luna?“ „Was, wenn ich nächstes Mal wieder vergesse, still zu sein?“ „Dann erinnerst du dich an die Krachlinge und stillen Tee.“ „Genau.“ Sie setzte sich noch einmal hin, nicht weil sie musste, sondern weil dankbar gut saß. „Dann stand sie auf, klopfte sich den Staub ab und sah in den neuen Pfad, der hinter dem Platz begann: Ein Weg aus leuchtenden Steinen, die nur leuchteten, wenn man nicht auf sie starrte.

„Bereit?“, fragte Zauberquant. „Bereit“, sagte Luna. „Diesmal ohne Kuchenkrümel auf der Trommel.“

„Zauberquant schwebte auf Augenhöhe. „Darf ich noch weise klingen?“ „Nur, wenn’s nicht zu laut ist.“ Er lächelte in Blau.

„Stille ist kein Loch. Stille ist Raum. In ihr hörst du die Richtung – und dich.“ „Luna nickte. „Dann hör ich weiter hin.“ Und sie ging los – nicht schneller, nicht lauter, einfach gleichmäßig. Hinter ihr winkten die Krachlinge still wie Wolken. Vor ihr wartete die nächste Frage. Und die Brücke? Die lag nun hinter ihr.

„Ruhe ist die Superkraft, die Türen lautlos öffnet“
– Zauberquant, leuchtendflüsternd
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